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Peter Behrens School
of Architecture
 
 

Dept. of Duesseldorf University
of Applied Sciences
 
 
 

[b]Genuss – Technologie – Architektur und Raum[b]

Ein studentischer Wettbewerb in Kooperation mit der MIELE AG, Gütersloh

Prof. Dierk van den Hövel
Consultant: Gastprof. Thomas Willemeit
GRAFT Architekten, Berlin

Genuss – Technologie – Architektur und Raum

Entwicklung eines modularen und adaptierbaren Küchen- und Hausgerätebaukasten am „Ort der Sinne“

Das Berufsfeld in der Architektur und Innenarchitektur ist einem ständigen Wandel unterzogen. Bauaufgaben im tradierten Sinne der Architektur sind weiterhin begrenzt. Somit sind neue und ergänzende Tätigkeiten zum traditionellen Berufsbild gefordert. Der Architekt/Innenarchitekt ist nicht nur Planer und Entwerfer, sondern auch Konstrukteur, Entwickler, Designer, Erfinder und allumfassender Gestalter unserer Lebensbereiche.

Unser heutiges globalisiertes Wirtschaftssystem verlangt mehr denn je nach innovativen Ideen mit einer zukunftsfähigen nachhaltigen Architektur. Architektur, die auf die anstehenden Probleme und Themen der Weltentwicklung eingeht.

• Das Thema Wohnen und Leben ist auch aufgrund gesellschaftlicher Wandlungen weiterhin eines der zentralen Themen in der Architektur und somit steht auch die Qualität des Wohnens auf dem Prüfstand

Was aber ist Wohnen?

Wohnen ist eine der allgemeinsten und umfassendsten Erfahrungen. Jeder von uns wohnt Tag für Tag. Dennoch lässt sich die Bedeutung des Wohnes weder in Analysen noch in Statistiken fassen und bleibt ein Geheimnis.

Wer das Wohnen zergliedert, kommt zunächst auf eine Reihe scheinbar trivialer Vorgänge wie kochen, essen, waschen, sitzen, ruhen. Doch die Summe dieser Trivialitäten ergibt ein äußerst vielschichtiges Wechselspiel von Tätigkeiten, Zuständen, Ritualen und Erfahrungen, mit dem sich der Bewohner seiner Wohnung einschreibt. In dem der Mensch sich einem Raum fügt und ihn zugleich prägt, schafft er die Wohnung als Ort größter Vertrautheit.

Es ist allgemein ein Trend erkennbar, wieder in der Stadt zu wohnen. Innerstädtische Räume zu nutzen und stadtnahe Bereiche einzubeziehen und zu verdichten ist ein umfassendes Thema. Die Urbanität der Stadt, - die kulturellen und kommerziellen Zentren, - die kurzen Wege und die Dichte des sozialen Gefüges sind für viele ein Anreiz.

Geprägt durch die veränderten Formen des Zusammenlebens hat der Wunsch, abseits der Städte zu leben, deutlich abgenommen. Die Kommunen sind bemüht, Industriebrachen in Grünbereiche oder Wohnraumflächen umzuwandeln, da Flächen für neues Wohnen nur bedingt vorhanden sind.

So kommt es, dass dem Thema „Bauen im Bestand“ eine besondere Bedeutung zukommt. Die vorhandene Gebäudesubstand in den Zentren, weitgehend noch aus der Gründerzeit des letzten Jahrhunderts, bedarf oft einer grundlegenden Sanierung und ist somit eine der Hauptbauaufgaben in Europa.

Wohnraum ist in Städten aber weiterhin knapp und teuer. So kommt es – da Grund und Boden nicht vermehrbar ist – das auch nach neuen kreativen Wohnformen gesucht wird. Das hat Einfluss auf Bauart und Bauformen. Die Suche danach ergibt sich schon aus dem Zustrom in die Städte.

Von den über 6 Milliarden Menschen leben heute schon über 3 Milliarden in den Städten. Und der Zuwachs ist kontinuierlich. Menschen werden wieder zu Nomaden. Flexibilität ist allseits gefordert, im Beruf und somit auch beim Wohnen.

Wie ist die Antwort der Architekten auf das neue Nomadentum – flexible und mobile Architektur?

Architektur/Design to go?

Mobile Architektur hat immer mit dem Thema Präfabrikation des Bauens zu tun, deren Geschichte lang ist, aber sich bis heute durch wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedingungen und auch technische Unvollkommenheiten nicht durchgesetzt hat. Doch der Wandel ist erkennbar. In allen anderen Branchen – außer der Bauindustrie -, wie Automobil-, Schiffs- oder Flugzeugbau ist die Präfabrikation schon lange grundlegender Bestandteil.

Die Bedingungen „am Bau“ sind teilweise immer noch anachronistisch.

Gebaut wird weitgehend wie im Mittelalter – Stein auf Stein -.

Für Nostalgiker mag das seinen Reiz haben, für die sonst allseits eingeforderte Genauigkeit und Präzision ist die tradierte Bauweise schlicht eine Katastrophe.

• Funktionselemente, - elektromechanische Produkte etc. für Hauswirtschaft, Bad und Küche mit ihren hochtechnisierten Möglichkeiten sind in ihrer Adaption mit den Gegebenheiten am Bau nur bedingt geeignet. An dieser Schnittstelle zwischen Technik und Handwerk treten die „Ungereimtheiten“ offen zu Tage. Ungenauigkeiten – die so genannten „Maßtoleranzen", müssen meist durch handwerkliches „Gebastel“ ausgeglichen werden.

• Der Stand der Technik in der Kücheneinrichtung ist durch die seit Jahrzehnten bekannte Bauweise der Ein- und/oder Anbauküche gekennzeichnet: In, - im Durchschnitt in Deutschland durch die Architektur klein gehaltene, - durch technische Anschlüsse (Sanitär, Abluft, Energie und sonstige Medien) in ihrer Funktion als Küche determinierte Räume, werden in Modulbauweise konzipierte Küchenmöbel installiert, die auf Normmaße ausgelegte Küchengroßgeräte, Spülen, Mischbatterien etc. aufnehmen.

Konkurrierende Bauweisen, wie Einzelmöbel mit im Vergleich zu den konventionellen Modulen höherer Aggregationsstufe oder durch das Mauerwerk gebildete Funktionselemente der Küche, haben sich bisher nicht durchgesetzt.

Die aktuelle Entwicklung im Küchendesign zeigt aber, dass bei den Beteiligten offensichtlich zunehmend Unsicherheiten auftreten, ob der klassische Stand der Technik mit seinen jetzigen Adaptionsmöglichkeiten zur tradierten, handwerklichen Bauweise möglicherweise seinen Höhepunkt erreicht hat und somit ein grundsätzliches Umdenken erfordert, sowohl bei den Technikentwicklern wie auch beim Handwerk und ihrem Servicepersonal.

Normierte, modulare Systemelemente, - als Vorwandinstallation aus den Bereichen Boden, Wand, Decke könnten vor allem bei einer der Hauptaufgaben am Bau - der Sanierung von Bestandsbauten – das Problem der Maßtoleranzen und Ungenauigkeiten lösen.

Festzustellen ist aber auch, dass sich die Bedingungen und Auswirkungen einer sich verändernden Gesellschaft (vermehrte, zur Mobilität ausgerichtete Singlehaushalte und Lebensgemeinschaften junger Alter), die Nahrungsmittelproduktion (vermehrt – auch bessere – Convinience Produkte) und der Speisezubereitung sich im Küchendesign nur bedingt zeigt.

In der Werbung ist Küchendesign weiterhin eher Status als das Aufzeigen eines funktionalen Kommunikations- und Lebensraumes. Somit fällt die Küchenindustrie eher durch stylische Attitüden als durch innovative und zukunftsgerichtete Gestaltungsansätze auf.

Hier ist die äußere Ausrichtung wichtiger als die nach innen gerichtete, die eher die Frage nach dem Sinn stellt.

Trotz dieser Situation und der Tatsache, dass die Exportposition der deutschen Küchenindustrie vergleichsweise schwach ist, kann man ihre Erzeugnisse zumindest im Möbelbereich weltweit als „das Maß der Dinge“ bezeichnen. Noch deutlicher wird das im Bereich der hoch entwickelten Zulieferindustrie der Küchenindustrie, die ebenfalls mit ihren Komponenten weltweit Maßstäbe setzt und zudem mindestens doppelt so stark im Außenhandel engagiert ist wie die Möbelindustrie.

Allein der italienischen Küchenindustrie gelingt es immer wieder, durch spielerische Innovationskraft Aufmerksamkeit zu erzeugen und sich für das weltweite Exportgeschäfft attraktiv zu machen.

• Bei den Zulieferern der Küchenindus trie, vor allem den Haushaltsgeräte herstellern, ist ein Eingehen auf die Probleme der Zeit erkennbar.

Das Einbeziehen der Umweltproblematik – das Thema: Nachhaltigkeit – wird mittlerweile präferiert. Mit innovativen Technologien, smartem Design, energieeffizienten Lösungen und somit umweltfreundlichen, ressourcenschonenden Produkten werden neue Bereiche erschlossen.

Themen der Hausgerätevernetzung, wie Smart Grid – eine intelligente Lösung, die hilft, Energiekosten zu senken -, oder die Speicherung der Abwärme der Küchengeräte, Spülmaschine, Backofen, Herd, Kühlschrank, Trennung und teilweise Wiederverwendung des Abwassers, Einbeziehung von Wärmespeicher, Wärmetauscher und Pufferspeicher sind Maßnahmen für eine zukunftsorientierte Architektur, die in die Planungsmaßnahmen einbezogen werden sollen.

Kochen

Durch das Thema Kochen, - das allseits hoffähig geworden ist und mittlerweile einen Großteil der Fernsehsendungen füllt, ist auch hier ein neues Denken in die Küchen getragen worden. Das Küchen Kommunikatoren sind und individuell ihrem Nutzer entsprechen dürfen und somit in das Wohnen einbezogen sind, ist eigentlich schon Standard. Neu dagegen ist, dass immer mehr technische Geräte aus dem Profi- und Gastrobereich, wie Grillplatte, Räucherofen, Dampfgarer, Salamander-Warmhalteofen, Wein-/Käsekühlschrank, Eismaschine etc. einbezogen werden. Die Küche ist somit den verschiedenen Food Arten entsprechend Werkstatt, Zubereitungsort oder auch nur Statussymbol.


Ziel des Projektes

Ziel des Projektes ist es, technisch innovative und verbraucherorientierte Nutzungskonzepte zu erarbeiten und diese zu gestalten.

Sie beinhalten:

• Kommunikative Zubereitungsplätze für Slow Food und Fast Food
• Ressourcensparende Grundausstat tung für den eiligen Esser
• Optimierte Küchenarbeitsplätze für Spaß und Lebensgefühl der unter schiedlichen Käufergruppen, den LOHAS, den Yettie, der Generation Y, der Generation Silver etc. Jede Benutzergruppe hat ihre eigenen Ansprüche und Nutzungsanforderungen

• Ökologisch wählbare Energiemodule/Wasserrecycling und
Wärmerückgewinnung/Abwärmenutzung

• Klima- und Kühlschränke mit zeitge mäßen Volumina für Speisen und Vorräte. Elektronisch überwachte Verfallszeiten
• Innovative Zubereitungsformen mit Convenience-Produkten
• Ökonomische Gerätegrößen für den Single-Haushalt
• Optimierungen in der Versorgungs kette, z.B. „gekühlter Briefkasten“
• Zeitgemäße häusliche Müllentsor gungskonzepte und Komposter
• Einbeziehung von Grünkonzepten (Green Kitchen)

Der innovative Impuls und Nutzen spannt sich als Bogen von der Nahrungsmittelindustrie über Geräte- und Komponentenhersteller, die Möbelindustrie bis zum Verbraucher.

Ziel ist ebenfalls die ganzheitliche Entwicklung und Bearbeitung des Themas:

• Wie und was essen wir morgen und wie sieht dazu der geeignete Zuberei tungsort – die Küche – aus“.

• Welche Mobilität/Flexibilität ist im Bereich der Möblierung und der Einbaugeräte gefragt und wie wirkt sich dasauf die Pr duktentwicklung aus?

• Müssen die Möbel/Geräte immer kubisch sein und aussehen, wie sie aussehen?


Aufgabenstellung

Inhalt der Aufgabe ist die Entwicklung und der Entwurf eines modularen Systembaukastens aus individuell gestalteten Vorwandinstallationselementen (Wand/Decke) mit integrierten Medienkanälen (Elektro-/Zuluft/Abluft/Wasser/Abwasser) zur Aufnahme von andockbaren Standelementen, Haushaltsgeräten, Wasserbecken, Arbeitsflächen etc. im Kontext von Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Machbarkeit einer zukunftsgerichteten Architektursprache.


Leistungen:

Die Leistungsanforderungen befinden sich im üblichen Rahmen, d.h. Recherche, Analyse, Konzepterläuterungen in Textform und zeichnerisch-graphische Erläuterungen in angemessenen Maßstäben.

• Festlegung eines Modulordnungssys tems

• Grundrisse, Schnitte, Ansichten, Abwicklungen des Systembaukastens

• Perspektivische Darstellung 3D Animationen

• Skizzenbuch

• Konstruktive Details, die die Gestal tung unterstützen und belegen

• Arbeits- und Präsentationsmodelle

• Powerpoint Präsentation und Vortrag

• Materialcollage

• Dokumentation mit integrierter CD ( alle zeichnerischen Darstellungen und Analyse als PDF/Power Point)

• Neben dem Gesamtkonzept soll Qualität erkennbar sein, hier beson ders Flexibilität, Funktionalität und Mach barkeit

• Die Präsentation und die Projektvor stellung sind Teil der Aufgabenstellung


Termine:

Immer Donnerstag, Raum N 2.21 FBR-Raum

1. Veranstaltung
Donnerstag 30.9., 15.30 Uhr
Raum N 2.291 FBR Raum
Allgemeine Erläuterungen, Eintragung in Teilnehmerlisten etc


Prof. Dierk van den Hoevel
September 2010

FH Düsseldorf
08.10.2010 - 20:35

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